Schnippelsuppe und ein Hauch von Hollywood

erstellt von Meeta K. Wolff am 14. November 2014 | 11:35

Kategorie: Rezepte | Stichwörter: ,

Schnipp, schnapp: Blumenkohl, Kohlrabi, Brokkoli sowie eine große Vielfalt an Kohlsorten – in Thüringen wächst und gedeiht eine bunte Palette an regionalen Gemüsesorten. Auch bei duftenden Kräutern oder aromatischen Spargel steht Thüringen in nichts nach. Wusstet ihr, dass Thüringen nach Bayern sogar Deutschlands zweitgrößtes Anbaugebiet für Kräuter ist?!

Auf geht’s in Thüringens Gemüsewelt!

Ein kräftiger Herzenswärmer in der Thüringer Küche ist die Schnippelsuppe. Eine herzhafte Gemüsesuppe, die für sich gesehen schon eine volle Mahlzeit darstellt. Egal mit welchem Saisongemüse könnt ihr die Thüringer Schnippelsuppe ganz leicht nachkochen. In der traditionellen Version werden dabei Kartoffeln, Porree und Mohrrüben in eine hausgemachte Fleischbrühe „geschnippelt“, die schließlich durch knusprigen Speck ihren rauchigen Geschmack erhält.

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Bevor ich beginne, meine eigenen Vorstellungen von einer herzhaften Gemüsesuppe zu entwickeln, war ich auf der Suche nach einem klassischen Rezept der „Schnippelsuppe“. Bei Sten Fischer im Alt Weimar wurde ich schließlich fündig. Großzügig verriet er mir dabei sein Familien-Rezept, das sogar schon seine Großmutter kochte. Dazu brauchen wir reichlich Wurzelgemüse: Knollensellerie, Möhren und Kartoffeln. Das ergibt eine herrliche kräftige Suppe. Offenbar mochte seine Großmutter eher die mächtige Variante der Schnippelsuppe, denn sie gab dicke Scheiben Blutwurst und Schweinefleischklößchen hinzu.

Weltenbummler mit einem Hauch von Hollywood

Von Stens Begeisterung lässt man sich leicht anstecken. Er betreibt sein Metier voller Leidenschaft und hat die Vision, die Thüringer Küche auch jenseits der Landesgrenzen bekannter zu machen. Indem er mit hochwertigen Produkten (zu erschwinglichen Preisen) anspruchsvolle Gerichte kreiert, verleiht er seiner eigenen modernen Küche in Weimar einen regionalen Touch. Dabei möchte er seinen Gästen zeigen, dass die Thüringer Küche nicht nur aus Kartoffeln und Kohl besteht, sondern verschiedene Geschmacksnuancen und außergewöhnliche Aromen miteinander kombiniert.

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Sten war schon überall auf der Welt: Bei seinen Reisen durch ganz Europa Anfang der Neunziger und seinen Fahrten auf den AIDA-Kreuzfahrtschiffen erlernte er seinen Beruf in verschiedenen Küchen der Welt. Auf den Bermudas kochte er sogar für den Schauspieler Michael Douglas! Mit ein bisschen Hollywood-Feeling kehrte Sten schließlich nach Deutschland zurück und übernahm 2006 die Aufsicht über die VIP-Küche für den FIFA-Weltcup. Anscheinend war jedoch der Ruf Thüringens stärker, so dass der gebürtige Erfurter 2007 nach Weimar kam, um als Küchenchef das Alt Weimar zu übernehmen. Innovativ und begeisternd, wie Sten nun mal ist, hat er sich einen echten Namen gemacht, der noch über die Grenzen Thüringens hinausreicht.

Jetzt wird geschnippelt und geröstet!

Nach meiner Rückkehr ließ ich mich auch von Sten inspirieren und wollte eine etwas modernere Version dieses thüringischen Klassikers kreieren. Wurzelgemüse schmore ich gern, weil dann der Geschmack am besten zur Geltung kommt und das Gemüse eine leichte Karamellnote erhält. Meist greife ich dabei auf einheimisches Gemüse wie Kartoffeln, Karotten, Knollensellerie und Kräuter wie Majoran und Thymian zurück. Getreu der Saison gab ich jetzt aber auch Kürbis und Süßkartoffeln dazu. Perlgraupen verleihen Substanz und nehmen all die duftenden Aromen dieser kräftigen, herzhaften und wärmenden Suppe auf.

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Meetas Rezept (für 6 Personen):

  • 5 Esslöffel Olivenöl
  • 1 großer Gelblauch, geschnitten
  • 1 Karotte, geschält und in Würfel geschnitten
  • ½ Knollensellerie, geschält und in Würfel geschnitten
  • 3 Pastinaken, geschält und in Würfel geschnitten
  • 1 Süßkartoffel, geschält und in Würfel geschnitten
  • ½ Kürbis, geschält und in Würfel geschnitten
  • 2 Kartoffeln, geschält und in Würfel geschnitten
  • 250 ml trockener Weißwein
  • 1,5 l Gemüsebrühe – hausgemacht ist immer am besten
  • 125g Perlgraupen nach Packungsvorschrift eingelegt und gekocht. Warm halten
  • 10g Majoran
  • Mehrere Thymianzweige
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack

Ofen auf 200 °C vorheizen. Ein Backblech leicht einölen. Das gesamte Gemüse ohne die Zwiebel in einer großen Schüssel mit ca. 2 Esslöffeln Olivenöl vermengen. Einige Thymianzweige und Majoran hinzugeben, dann auf das Blech streuen. Im Ofen 25-30 Minuten bzw. so lange backen, bis das Gemüse etwas weich und karamellisiert ist.

Etwa ¼ des in Würfel geschnittenen Gemüses zur Seite legen und warm halten. In einem schweren Topf 2 Esslöffel Olivenöl bei mittlerer Hitze erwärmen und die Zwiebeln sautieren, bis sie duften und durchscheinend sind. Die restlichen ¾ des Gemüses in den Topf geben und darauf achten, dass sie nicht am Topfboden anhaften. Den Wein hineingießen, Angebratenes vom Topfboden abkratzen. 2-3 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen, bis die Menge Wein weniger geworden ist und dann die Brühe eingießen. Zum Sieden bringen. Vom Herd nehmen und mit einem Handmixer das Gemüse mit der Brühe zu einer dicken, cremigen und weichen Mischung pürieren. Die Würze entsprechend anpassen.

Die dicke Suppe auf Schüsseln aufteilen, dabei einige Löffel Perlgraupen und in Würfel geschnittenes Gemüse dazutun. Mit den verbleibenden Kräutern garnieren und servieren.

Option: Mit kleinen gewürzten Lamm- oder Rindfleischklößchen lässt sich eine großartige nichtvegetarische Option kreieren.

  • 350g zerkleinertes Lamm- oder Rindfleisch
  • Majoran
  • Thymian
  • ½ Teelöffel gemahlener Kreuzkümmel
  • ½ Teelöffel geräucherte Paprika
  • Salz und Pfeffer
  • 1 Esslöffel Olivenöl

Alle Zutaten in einer sauberen Schüssel mischen. Das Fleisch in kleinen Mengen herausnehmen und mundgerecht zu kleinen Bällchen rollen. Das Olivenöl in einer Bratpfanne erhitzen und die Fleischklößchen portionsweise bräunen, bis sie durchgegart sind. Außen sollten sie dann knusprig, aber innen noch weich und feucht sein.

Serviert euren Gästen die Fleischklößchen getrennt von der Suppe. So können sich Nichtvegetarier selbst bedienen und sie nach eigenem Wunsch in die Suppe geben, während eure vegetarischen Gäste die fleischlose Variante genießen.

 

Lasst es euch schmecken und viel Spaß beim Nachkochen!

Eure Meeta

 

Text und Bilder: Meeta K. Wolff | meetakwolff.com