Übernachten im Bierfass

erstellt von Thüringen entdecken am 12. Mai 2015 | 15:30

Kategorie: Rezepte | Stichwörter: ,

„Nur Wasser trinkt der Vierbeiner, der Mensch findet’s Bier feiner.“ Der Komiker Heinz Erhardt bringt des Deutschen liebstes Getränk auf den Punkt. Auch wir Thüringer können auf unser Bier nur schwer verzichten! 😉

2014 war ein gutes Gerstensaft-Jahr. Rund 107 Liter Bier kamen laut Deutschem Brauer-Bund im letzten Jahr im Durchschnitt auf eine Person. Thüringen ist mit seinen rund 40 Brauereien als Bierland sicher nicht so groß wie Bayern, aber hatte seinen Nachbarn vor einigen Jahren kräftig herausgefordert: Es ging um das älteste Reinheitsgebot, das die Stadt Weißensee für sich beanspruchte. Das empörte nicht nur die Bayern. Viele Biere später ist es doch recht still um diesen Streit geworden. Dafür kann Thüringen noch allerhand anderer Biergeschichten erzählen.

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Neben größeren Marken wie Köstritzer, Altenburger, Ehringsdorfer oder Braugold verfügt Thüringen über einige kleine, aber durchaus feine Privatbrauer, die mit viel Passion am Werke sind. „Craft“ ist hier das Zauberwort: Handwerk. Und mit dem handwerklichen Geschick geht es den vier Zutaten Hopfen, Malz, Hefe und Wasser immer wieder neu ans Aroma.

In Steinach lebt die Bierbrau-Zunft

Einer weiß, wie es geht. Von Kindesbeinen an war Holger Greiner nah dran am Brauen. Heute ist er die 10. Brauer-Generation in Steinach. Seit 1736 gibt es in der kleinen Stadt zwischen dem Thüringer Schiefergebirge und dem Frankenwald das Braurecht. „Ankerbräu Greiner-Wohlleben“ ist ein Name, den hier jeder kennt. „Vor dem Krieg gab es hier über ein Dutzend Brauereien“, erzählt Greiner. „Zu DDR-Zeiten war Steinach Bierhauptstadt im Osten. Fünf Brauereien gab es in dem kleinen Ort.“

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Heute ist Greiner der letzte seiner Zunft in Steinach, doch auch Sohn Stefan hat Malzgeschmack gefunden. Er arbeitet in Erfurt im Waldhaus und ist auf dem besten Weg auch Braumeister zu werden.

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Doch bekannt ist Ankerbräu eben nicht nur in der Region. Dafür sorgen die Biere, die Greiner mit viel Feingefühl und Wissen herstellt. Das Rezept für ein gutes Bier ist einfach: „Man muss nur wissen, wie man es macht und was man dazu tut“, sagt er mit einem Schmunzeln. „95 Prozent sind Gefühl, das habe ich in die Wiege gelegt bekommen.“

Während die großen Brauereien industrielle Biere mit dem Ziel brauen, möglichst viel Umsatz zu scheffeln, geht es den vielen Handwerksbrauern ums aufregende Aroma. Oder um mit Holger Greiner zu sprechen: „Jeder will ein besseres Pils machen. Aber es gibt nur ein perfektes Pils und das kommt aus dem tschechischen Pilsen.“ Spannender ist zudem, was man abseits vom traditionellen Pils alles entdecken kann.
Aktuell gibt es bei Ankerbräu eine Durstphase, denn die Brauerei wird umgebaut. Bis August 2015 soll sich einiges verändern, die Pläne für diese Veränderungen hängen in der Pension an der Wand. „Früher gab es hier drei Sorten. Anker Pils, das dunkle Ankerla und Anker-Bock. Das war es dann.

 

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Aber Bier ist eben weit mehr und um dieses Mehr geht es mir seit einigen Jahren“, erzählt Greiner. Eine Reise nach Schweden zu befreundeten Brauern inspirierte den 49-Jährigen, neue Wege zu gehen. Das Ergebnis kann sich schmecken lassen: Seit 2012 wird ein IPA-Bier gebraut, ein India Pale Ale, das stärkste Bier, das bislang bei Ankerbräu entstanden ist. In der Biersprache: 8 Prozent Alkohol, 18 Prozent Stammwürze, obergärig vergoren mit Nottingham-Ale-Hefe, naturbelassen, unfiltriert. Ein Genussbier für Kenner! Die neue Bierlinie nennt sich „kolonial“.

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Mit den neuen Sorten machte Ankerbräu gleich in mehrfacher Hinsicht auf sich aufmerksam. Zum einen wurde „Red Ale“ mit seiner Mischung aus Steinacher Wasser, Bamberger Spezialmalz sowie vier unterschiedlichen Hopfensorten aus England, Deutschland und Südafrika beim „Dublin Craft Beer Cup“ mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet. Zum anderen reisen immer wieder Bierenthusiasten ins kleine Steinach, um die Spezialitäten genauer auf den Gaumen zu nehmen.

Nicht nur in Sachen Bier wurde experimentiert. Schon 1993 wurde verstärkt auf Tourismus gesetzt und der Brauereigasthof als Pension eröffnet. Seither kommen im Winter Skifahrer in die Skiarena Silbersattel, von Frühling bis Herbst Wanderer, Radfahrer oder Naturfans, die sich im Thüringer Wald erholen oder naheliegende Städte wie Sonneberg, Lauscha oder Neuhaus am Rennweg mit ihren Traditionen und Museen entdecken wollen.

 

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Ein ganzes Fassdorf – Schlafen im Bierfass

Greiners Philosophie ist denkbar einfach: „Wir müssen immer wieder etwas anders machen.“ Genau deshalb kamen vor drei Jahren mehrere große Bierfässer dazu, die einmal nicht als Lagerraum für Pils, Ale und Co. dienen sollten, sondern als Übernachtungsmöglichkeit! Quasi schlafen im Bierfass.

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Das „Ankerla-Fass-Dorf“ ist somit eine außergewöhnliche Alternative zum klassischen Hotelzimmer. Neben drei Schlaffässern gibt es auch ein Saunafass und ein Sanitärfass mit Dusche und Toilette.

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Hinzu kommt noch der beliebte Gasthof mit seiner bodenständigen Küche regionaler Spezialitäten. Ab Sommer, wenn die Brauerei wieder läuft, soll es dann ein viertes Spezialbier geben. Noch schweigt Holger Greiner dazu, aber sein Lächeln verrät, dass es auch ein ganz besonderes Bier wird.

 

Wohl bekommt’s!

Euer Thüringen-entdecken Team