Kuhmune Schönhagen

erstellt von Thüringen entdecken am 17. August 2015 | 16:31

Kategorie: Rezepte | Stichwörter: , , ,

Seit Jahrhunderten werden in Thüringen Kräuter angebaut: Thüringer Majoran, Thüringer Bohnenkraut oder Minze aus der Pfefferminzstadt Kölleda. Der gute Boden und das teils günstige Klima bieten beste Voraussetzungen für den Anbau heimischer Thüringer Kräuter oder sogar für exotische Pflänzchen, wie wir schon im Kräutergarten unterhalb der Klosterruine in Paulinzella gelernt haben. Auch im wunderschönen Eichsfeld im Norden Thüringens geht es um Kräuter. Aber eben nicht nur.

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Wir sind heute im schönen Schönhagen, mit seinen knapp 200 Einwohnern mehr ein Dörfchen als ein Dorf, aber hier herrscht Idylle pur! Weiden, Wald, Fachwerkhäuser, soweit das Auge reicht und vor allem viel Stille. Im Schaugarten der „Kuhmuhne Schönhagen“ – gleich hinter dem Ortseingang rechts – wird es noch idyllischer! Wir stehen plötzlich vor der blühenden und duftenden Pracht.

Von A wie Andenbeere bis Z wie Zwiebel

Über 350 Pflanzensorten sind hier zu entdecken. „Spannender aber sind all die Sorten, die man nicht kennt“, erklärt uns Petra Hesse, die hier mit ihrer Kollegin Janne Perthen das Sagen hat. Regelmäßig führen die Damen hier Kinder, Jugendliche oder Familien durch das liebevoll gepflegte Areal. Dabei können sich Besucher nicht nur ein Auge für ihren eigenen Garten holen, nein, hier erfahren sie z.B. auch, woher der Ausdruck „blaumachen“ kommt, welches Kraut süßer als Zucker schmeckt oder welche Wurzeln bis Mitte des letzten Jahrhunderts noch zum Kaffee rösten verwendet wurden.

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Vor zwölf Jahren wurde der eintausend Quadratmeter große Schaugarten angelegt. Es ist neben dem Thüringer Kräutergarten in Großbreitenbach einer der schönsten Orte, um sich über die Vielfalt von Kräutern, aber auch Gemüsesorten oder Zierpflanzen zu informieren. „Zeitreise“ nennt es Petra Hesse gerne, denn der kreisrund angelegte Schaugarten zeigt Kulturpflanzen von der Steinzeit bis ins 19. Jahrhundert.

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Die Besucher erfahren alles rund um die alten Kulturpflanzen wie Mais (1493 von Christoph Kolumbus nach Spanien mitgebracht) oder Glücksklee (kam Mitte des 19. Jahrhunderts aus Mexiko nach England) und nicht nur das. Auch eine Eichsfelder Sortensammlung ergänzt in Sachen Heimatpflege diesen Garten und soll künftig noch erweitert werden.

Ob Einlochbohne, Tabak, Amaranth, Lupine oder Färberwau: bei den Führungen, die von Juni bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat stattfinden, wird die Geschichte vieler unbekannter Pflanzen wieder lebendig. „Seminare, Verkostungen, Workshops und Feiern runden unser Angebot ab. Petras Tipp ist übrigens der beliebte Tomaten-Kürbis-Tag am 6. September.

Und wer anschließend noch das schöne Eichsfeld erkunden will, dem empfehlen wir eine Tour durch den Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal. Zwischen tiefen Flusstälern der Werra, steilen Felswänden und urigen Buchenwäldern finden Radler und Wanderer noch mehr Ruhe und fantastische Ausblicke.

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Auch ein Abstecher in die Hauptstadt der Region, ins Heilbad Heiligenstadt, lohnt sich. Der Kurort steht für Wellness und Gesundheit pur und liegt sogar an der Deutschen Märchen- und Fachwerkstraße.

Infos und Wissenswertes rund um die Kuhmune

Die Kuhmuhne Schönhagen ist 1991 entstanden. Eine Gruppe von Studenten war am Ende ihres Landwirtschaftsstudiums auf der Suche nach einem gemeinsamen Hof in der Gegend und fand nach der Grenzöffnung ein geeignetes Anwesen in dem Dorf Schönhagen. Die Vision der Gruppe war, das gemeinsame Leben und Arbeiten in Form einer Landkommune zu realisieren. Deshalb wurden erst ein landwirtschaftlicher Betrieb sowie eine Gärtnerei eingerichtet, die bis heute existieren.

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Der Schaugarten kam dann als Ort der Begegnung und Wissensvermittlung dazu und ist aus dem kleinen Dorf kaum mehr wegzudenken. Was auch daran liegt, dass hier wertvolle Bildungsarbeit angeboten wird: 2015 wurde der Schaugarten für die Erhaltung der biologischen Vielfalt als offizielles Projekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Neben der großen Pflanzenvielfalt ist die Arbeit mit jungen Menschen und mit Kindern für den Schaugarten und für Petra Hesse ein wenig Herzstück.