Im Land der Tausend Teiche

erstellt von Meeta K. Wolff am 2. September 2015 | 15:42

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Es waren die Schwarzen Mönche des Benediktinerordens, die den Anfang für die Fischzucht in der östlichen Region Thüringens legten. Die über die Landschaft versprengten Teiche wurden angelegt, um vor allem die Selbstversorgung der Klöster sicherzustellen. Nach ihrem Gelübde, das die Mönche ablegten, mussten sie sich selbst ohne Fleisch versorgen, deshalb war Fisch ein wichtiger Bestandteil ihrer Ernährung.

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Mit diesem Wissen machte ich mich auf den Weg nach Plothen, einer Region in Ostthüringen, die auch als „Land der Tausend Teiche“ bekannt ist. Ich wollte einige der beliebten Fischgerichte probieren, die es in dieser Region gibt.

Karpfen, Zander & Co.

Die häufigste Fischart, die in den Teichen der Plothener Teichlandschaft vorkommt, ist Karpfen, aber auch Zander, Barsch und Aal werden gefischt und in den vielen Restaurants der Region zubereitet. Doch bevor ich Fisch essen kann, muss ich ihn erst einmal fangen. Deshalb habe ich mich mit Familie Weise verabredet, die nicht nur mehrere Teiche mit großen Süßwasserfischbeständen bewirtschaftet, sondern auch einen kleinen Bauernhof hat und sehr aktiv Landwirtschaft betreibt. Die Weises bieten außerdem noch Ferien auf dem Bauernhof an.

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Die Familie bewirtschaftet etwa 160 Hektar Wald, Feld und Teichgebiete und sie haben viele Tiere auf ihrem hübschen kleinen Bauernhof in dem kleinen Dorf Dreba. Und genau dort treffe ich mich mit Herrn und Frau Weise, die mich gern herumführen. Dieses Plätzchen ist genau der richtige Ort für Familien, die eine kurze Auszeit von den stressigen Großstädten nehmen wollen. Hier könnt ihr wirklich der Hektik aus Verkehr, Lärm, Internet und E-Mails entkommen. Familie Weise bietet zwei Ferienwohnungen für zwei bis vier Personen an, die vollständig mit Küche ausgestattet sind. Kinder jedes Alters finden hier etwas, was sie glücklich macht. Die Kinder können auf dem ganzen Hofgelände toben, so dass Tablets und Handys schnell in Vergessenheit geraten. Familie Weise bezieht die Kinder gern in die täglichen Arbeiten mit ein, zum Beispiel können die Kinder die Eier von den Nestern abnehmen, die Kühe, Schweine und Schafe füttern, im Gemüse- und Kräutergarten mithelfen oder in der kleinen Werkstatt werkeln. Und wenn das noch nicht reicht, lädt Herr Weise die ganze Familie zu einem Angelausflug auf einen ihrer Teiche ein.

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Das Bauernhaus wurde vom Deutschen Tourismusverband mehrfach mit 3 Sternen ausgezeichnet. Familie Weise begann 1995 die Idee „Urlaub auf dem Bauernhof“ umzusetzen, kurz nachdem sie ihren Grund und Boden von der Genossenschaft der ehemaligen DDR zurückerhielten.

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Seitdem bieten sie das Ferienerlebnis „Urlaub auf dem Bauernhof“ ihren Gästen aus ganz Deutschland an. Auf einem Bauernhof gibt es immer etwas zu tun: Im Herbst ist es Zeit für das Abfischen der Karpfen, Hechte und anderen Fischarten, im Sommer sind die Kühe (Deutsch-Angus-Rinder) und Schafe auf der Weide und im Winter werden die Tiere in den Ställen versorgt.

Hol die Angelroute raus!

Ich will unbedingt einen Fisch angeln gehen und mache mich mit Herrn Weise auf den Weg zu einem ihrer Teiche. Die Landschaft ist wunderbar beruhigend, die goldgelben Felder werden von kleinen grünen Wäldern unterbrochen und dazwischen schimmern die verschiedenen Teiche. Herr Weise legt seine Angeln aus. Als Köder verwendet er Regenwürmer. Die Karpfen scheinen recht hungrig zu sein, denn schon bald zappelt ein stattliches Exemplar an unserer Schnur.

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Es war ein schöner Vormittag mit den Weises, dazu noch die herrlich frische Luft und die Angelei, das alles hat mich sehr hungrig gemacht. Zum Glück habe ich eine Verabredung zum Mittagessen mit einem jungen Koch, der eine traditionelle Fischspezialität für mich zubereiten wird.

Spezialität der Region: Karpfen mit Thüringer Klößen

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Der junge Koch ist Philipp Semmler, der im vergangenen Jahr in das Familienunternehmen, das Restaurant „Zum Plothenteich“, eingestiegen ist. Mit seinen 27 Jahren ist er der Jüngste im Familienunternehmen. Seine Eltern, seine Tanten und Onkel arbeiten alle in diesem Restaurant, das von der Familie Semmler schon seit 1884 geführt wird.

Philipp Semmler ist mittlerweile die 6. Generation des Semmler-Clans und er wird irgendwann auch das Geschäft von seinem Vater übernehmen. Vorerst aber ist er der Koch – er liebt es, Gerichte in der Küche zuzubereiten, die zum einen traditionell und bewährt sind, zum anderen aber auch Spielraum für moderne Interpretationen und köstliche Kompositionen lassen. Eine Spezialität dieses Restaurants ist der Karpfen aus den Plothener Teichen, der bei den Gästen aus ganz Deutschland sehr beliebt ist.

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In der Küche begrüßen mich Herr und Frau Semmler, die Eltern von Philipp. Ich bin schon ganz gespannt darauf zu sehen, wie Philipp den Spiegelkarpfen zubereiten wird. Er bereitet den Karpfen nach einem der beliebtesten Rezepte der Region zu. Dabei wird der Fisch portioniert und schließlich in einer kräftigen Brühe aus Gemüse und Wurzelgemüse pochiert. Piment, Lorbeerblätter, Salz und Eiklar verleihen dem Ganzen die richtige Würze und nach etwa 10 Minuten ist der Fisch fertig. Während dieser Zeit bereitet Philipp eine cremige Einbrenne zu, für die er die für das Pochieren genommene Brühe und braune Butter verwendet. Anscheinend mögen die Gäste hier viel Soße zu ihrem Fisch. Philipp serviert mir den Karpfen mit dem pochierten Wurzelgemüse und den berühmten Thüringer Klößen! Als Verfeinerung wird zum Schluss noch etwas braune Butter über das Gericht geträufelt.

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Es ist keine Nouvelle Cuisine – doch das würde für diese Region Deutschlands auch gar nicht passen. Es ist vielmehr traditionelle und herzhafte regionale Küche, und ich freue mich schon, den ersten Bissen des heutigen Fangs essen zu können. Ich werde mit einem zarten Fisch mit Buttergeschmack belohnt. Die Soße zeichnet sich durch einen sensationell kräftigen Geschmack aus, und die Kartoffelklöße sind genau richtig, abgerundet wird das Ganze durch das Wurzelgemüse. Ich kann jetzt gut verstehen, warum die Gäste ins „Zum Plothenteich“ strömen, um dieses Gericht zu essen.

Ausflugstipp: Der Hausteich in Plothen

Nach einem so vorzüglichen und reichlichen Mittagessen ist es nun an der Zeit für einen kleinen Spaziergang zu einem der bekanntesten Teiche bei Plothen – dem Hausteich. Der Anblick, der sich mir bietet, ist wunderschön, und obwohl es etwas windig ist, will ich trotzdem um den Teich herumlaufen zu meinem nächsten Ziel. Es ist ein sehr altes Haus, das mittlerweile ein Museum ist. Das Besondere daran: Dieses Haus steht auf etwa neunzig Pfählen aus Lärchenholz.

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Wer es gebaut hat und warum, das weiß man nicht genau, aber im Zuge der Renovierungsarbeiten über die Jahrhunderte wurde festgestellt, dass das Hausteichhaus bereits im 17. Jahrhundert entstanden ist. Zu der damaligen Zeit gehörten das Land und die Besitzungen dem Fürstentum der Reuss-Familie. Mit seiner zentralen Lage diente das Hausteichhaus vermutlich als Jagd- und Angelhütte. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten die Besitzer und damit auch die Nutzung. Schließlich wurde das Haus 1995 umfassend renoviert und beherbergt heute ein Museum für Fischereiwirtschaft.

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Egal ob Angeln euer Ding ist oder nicht – Tatsache ist, dass sich diese Region hervorragend eignet, um dem täglichen Stress zu entfliehen und zur Ruhe zu kommen. Ich genieße es, hier die Natur zu entdecken, an der frischen Luft zu sein, gute herzhafte Küche zu essen und Leute mit großer Leidenschaft kennenzulernen, die dieses Land der Tausend Teiche so besonders machen.

Ab Oktober finden viele Veranstaltungen rund um die Teiche bei Plothen statt. Fischen, Wandern, Kreatives, Kultur und natürlich Gastronomie – die gesamte Region lädt im Herbst zu interessanten Veranstaltungen ein, wie zum Beispiel zu den Fisch- und Wildwochen vom 02.-31. Oktober.

Fisch auf den Tisch

Zurück zu Hause war ich mit Begeisterung dabei, mal etwas anderes mit Fisch auszuprobieren – etwas Rustikales, aber trotzdem mit neuen Geschmacksrichtungen. Ich hatte zwei herrlich geräucherte Regenbogenforellen und machte mich in der Küche sofort ans Werk. Inspirieren ließ ich mich dabei vom Wasser und vom Land.

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Fischsalat mit Forelle, Roter Bete, Fenchel und Meerrettich

  • 400 g geräucherte Forellenfilets, zerpflückt
  • 2 bis 3 EL Crème fraîche
  • 1 bis 2 EL Meerrettichcreme
  • Ein kleines Bund Dill, fein geschnitten
  • 1-2 TL Fenchelsamen
  • ½ Fenchelknolle, fein geschnitten
  • ½ rote Zwiebel, fein geschnitten
  • 1 gekochte Rote Bete, klein gewürfelt
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Alle Zutaten außer der Roten Bete in eine Schüssel geben und gut miteinander vermischen. Nach Geschmack würzen und anschließend die Rote-Bete-Stücke dazugeben. Den Salat noch einmal behutsam vermischen und in saubere Gläser verteilen. Diese über Nacht im Kühlschrank stehen lassen, damit sich der volle Geschmack entwickeln kann. Vor dem Servieren den Forellensalat auf Zimmertemperatur erwärmen lassen. Zu dem Salat Sauerteigbrot mit dicker Kruste oder eine warme Kräuter-Focaccia, eingelegte Zwiebeln und ein gutes deutsches Bier reichen.

 

Viele Grüße aus dem Land der Tausend Teiche,

Eure Meeta